Sex ab 40: Was hat unser Sexleben mit Langlebigkeit zu tun?
Drei Studien aus den USA, den Niederlanden und Deutschland zeigen einen überraschenden Zusammenhang zwischen sexueller Gesundheit, Zufriedenheit und gesundem Altern.
Evidenz: mittel
Gute Hinweise, nicht eindeutig.
- Quellen
- 3
- Aktualisiert
- Okt. 2026
- Prüfung
- Redaktion
Auf einen Blick
Was wissen wir nicht?
Die beschriebenen Studien zeigen Zusammenhänge und keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Mögliche Einflussfaktoren sind unter anderem allgemeine Gesundheit, körperliche Einschränkungen, Lebensfreude und Einsamkeit. Bei der niederländischen Studie war die Gruppe, der Sex wichtig war, ihn aber nicht genoss, klein. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht als Beweis dafür interpretieren, dass sexuelle Aktivität oder Zufriedenheit direkt die Lebenserwartung verlängert.
Einordnung im Detail
Kurze Frage vorab, ganz ehrlich und nur für Sie selbst: Wie wichtig ist Ihnen Sex heute, auf einer Skala von 1 bis 5? Und wie sehr genießen Sie ihn gerade?
Merken Sie sich beide Zahlen. Am Ende dieses Artikels wissen Sie, warum genau dieses Paar interessanter ist, als es klingt.
## Ein Thema, über das Männer ab 40 selten reden
Über Cholesterin, Blutdruck und Laufschuhe reden wir gern. Über Sex im zweiten Lebensabschnitt kaum, nicht einmal beim Arzt. Dabei hat die Forschung in den letzten Jahren einiges dazu herausgefunden.
Wir haben uns drei Studien aus den USA, den Niederlanden und Deutschland angesehen. Das Ergebnis ist spannend und an einer Stelle überraschend.
## Studie 1: Gesundheit entscheidet, wie lange Sie sexuell aktiv bleiben
Forscherinnen der University of Chicago haben Daten von rund 6.000 Amerikanern ausgewertet und eine neue Kennzahl berechnet: die sexuell aktive Lebenserwartung. Also die Zahl der Jahre, die man noch mit einem aktiven Sexleben rechnen kann.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Ein 55-jähriger Mann hat im Schnitt noch rund 15 sexuell aktive Jahre vor sich, eine gleichaltrige Frau etwa 10 bis 11.
- Männer mit sehr guter Gesundheit gewinnen gegenüber Männern mit schlechter Gesundheit 5 bis 7 sexuell aktive Jahre dazu.
- Selbst zwischen 75 und 85 ist noch fast jeder vierte Mann sexuell aktiv (genauer: knapp 39 Prozent).
Der Haken: Männer verlieren durch schlechte Gesundheit mehr sexuell aktive Jahre als Frauen. Die Forscherinnen vermuten, dass Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Behandlung oft direkt auf die Erektionsfähigkeit schlagen.
Die Botschaft für Männer: Ihr Sexleben im Alter hängt stark an genau den Dingen, um die es auf dieser Plattform ohnehin geht. Blutgefäße, Blutzucker, Fitness. Was dem Herzen hilft, hilft auch hier.
## Studie 2: Genuss und Lebensdauer, 27 Jahre lang beobachtet
Die zweite Studie ist die spannendste. In der Längsschnittstudie LASA aus Amsterdam wurden über 1.000 Menschen zwischen 55 und 84 Jahren gefragt, wie wichtig ihnen Sex ist und wie sehr sie ihn genießen. Dann verfolgten die Forscher 27 Jahre lang, wie lange die Teilnehmer lebten.
Das Ergebnis hängt an genau den zwei Zahlen vom Anfang:
- Bei Menschen, denen Sex unwichtig war, spielte der Genuss für die Lebensdauer praktisch keine Rolle.
- Bei Menschen, denen Sex wichtig war, schon. Für einen 65-jährigen Mann aus dieser Gruppe errechneten die Forscher einen Unterschied von bis zu rund sieben Jahren Lebenserwartung zwischen „sehr unangenehm“ und „sehr angenehm“.
Klingt nach Schlagzeile. Aber bitte genau lesen: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis. Ein Teil davon lässt sich durch andere Faktoren erklären, etwa allgemeine Gesundheit, körperliche Einschränkungen, Lebensfreude und emotionale Einsamkeit. Und die Gruppe, der Sex wichtig ist, die ihn aber nicht genießt, war klein: nur gut 5 Prozent der Teilnehmer.
Trotzdem steckt darin eine klare Aussage: Problematisch wird es dort, wo Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Wer Sex wichtig findet und unzufrieden ist, sollte das nicht einfach hinnehmen.
## Studie 3: Die Überraschung aus Deutschland
Die dritte Studie stammt aus dem Deutschen Alterssurvey mit über 3.200 Menschen ab 40. Die Forscher aus Hamburg fragten: Glauben sexuell zufriedene Menschen, dass sie länger leben?
Antwort: Ja, aber nur bei Frauen. Bei Männern fand sich kein klarer Zusammenhang.
Warum? Die Autoren können nur spekulieren. Vielleicht denken Männer bei der eigenen Lebenserwartung eher an Job, Stress und Arbeitszeit. Vielleicht sprechen Männer auch ungern über nachlassende Leistung und blenden das Thema deshalb aus.
Und genau das ist der Punkt. Die anderen beiden Studien zeigen, dass Sex und Gesundheit bei Männern eng zusammenhängen. Nur denken viele Männer offenbar nicht darüber nach.
## Was Sie daraus mitnehmen können
1. Ihr Sexleben ist ein Gesundheitsindikator. Lässt die Erektion nach, kann das ein frühes Signal für Gefäßprobleme sein. Ein guter Grund für einen Arzttermin, kein Grund für Scham.
2. In die Basis investieren. Bewegung, Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Schlaf zahlen gleichzeitig auf Lebensjahre und auf sexuell aktive Jahre ein.
3. Reden. Mit der Partnerin oder dem Partner, und mit dem Arzt. Viele Probleme sind gut behandelbar, werden aber nie angesprochen.
4. Ehrlich zu sich sein. Wenn Ihnen Sex wichtig ist, Sie ihn aber nicht genießen, lohnt es sich, daran etwas zu ändern.
## Jetzt sind Sie dran
Erinnern Sie sich an Ihre zwei Zahlen vom Anfang? Liegen Wichtigkeit und Genuss bei Ihnen nah beieinander oder weit auseinander?
Schreiben Sie uns in die Kommentare, gern auch anonym:
- Hat sich Ihr Sexleben seit 40 verändert, und wenn ja, wie?
- Haben Sie das Thema schon einmal bei Ihrem Arzt angesprochen?
- Was tun Sie heute schon, um fit zu bleiben, auch in diesem Bereich?
Die spannendsten Erfahrungen greifen wir in einem Folgeartikel auf, natürlich ohne Namen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle drei Studien zeigen Zusammenhänge, keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
Quellen
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.